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DAX-Aufsichtsräte: Verantwortung und Vergütung steigen


Willis-Towers-Watson-Prognose „Aufsichtsratsvergütung im DAX 2016“.

Die Aufsichtsratsvorsitzenden der DAX-Unternehmen werden für 2016 im Durchschnitt 372.100 Euro verdienen. Damit steigen die Bezüge der Chefaufseher um 4,4 Prozent. Die höchste Gesamtvergütung erhalten der Prognose nach die Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank (800.000 Euro), von Siemens (608.000 Euro) und BMW (600.500 Euro). Am niedrigsten vergüten Merck (97.800 Euro), Adidas (205.300 Euro) und ThyssenKrupp (210.000 Euro) ihre Chefaufseher. Der Trend zur Vereinfachung der Vergütungssysteme setzt sich weiter fort: Inzwischen setzen 18 Unternehmen auf eine ausschließlich feste Vergütung des Aufsichtsrats. Nur 12 Unternehmen richten diese dagegen am kurz- oder langfristigen Unternehmenserfolg (beispielsweise gemessen am Ergebnis pro Aktie) aus. Zu diesen Ergebnissen kommt die Willis-Towers-Watson-Studie „Aufsichtsratsvergütung im DAX 2016“.

Komplexe Aufgaben – Vergütung international auf gutem Niveau

„Die Aufgaben der Aufsichtsräte sind in den vergangenen Jahren erheblich komplexer geworden. Verant­wor­tungs­umfang und Haftungsrisiko sind gestiegen. Dementsprechend haben viele DAX-Unternehmen in den vergangenen Jahren auch die Vergütung ihrer Aufseher angepasst. Auch im internationalen Vergleich befindet sich die Aufsichtsratsvergütung in Deutschland auf einem passenden Niveau“, kommentiert Helmuth L. Uder, Managing Director Board & Executive Compensation bei Willis Towers Watson, die Ergebnisse. Um jährlich 7 Prozent stieg die Vergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden seit 2005 durchschnittlich an. Die Vergütung der CEOs stieg hingegen in geringerem Umfang – um durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr seit 2005. „Die Aufgaben des CEOs haben sich weniger stark verändert als die Aufgaben des Aufsichtsrats – das erklärt den geringeren Anstieg der Vorstandsvergütung“, so Uder.

Trend zur Festvergütung – einfachste, aber nicht beste Lösung

Noch stärker als im Vorjahr setzen die DAX-Unternehmen auf eine ausschließlich feste Vergütung ihrer Aufseher. „Das ist eine einfache und transparente, aber nicht unbedingt die beste Lösung“, erklärt Ralph Lange, Manager Executive Compensation bei Willis Towers Watson. „Denn die Aufgabe der Aufsichtsräte ist zweigeteilt: Erstens sollen sie die Unternehmensleitung kontrollieren – hierfür ist eine feste Vergütung passend. Zweitens sollen sie die Unternehmensplanung und die Entwicklung der Unternehmensstrategie begleiten – und dementsprechend auch bezogen auf den langfristigen Unternehmenserfolg honoriert werden“, so Lange. Er führt aus: „Ein langfristiges variables Vergütungselement oder ein Aufschub von 25 Prozent der Festvergütung in virtuelle Aktien des Unternehmens lassen sich gleichfalls einfach und klar gestalten. Somit wird die Vergütung des Aufsichtsrats am nachhaltigen und langfristigen Unternehmenserfolg ausgerichtet“. Seit 2012 empfiehlt der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK), erfolgsorientierte Bestandteile der Aufsichtsratsvergütung auf die nachhaltige Unternehmensentwicklung auszurichten.

Weitere Umstellungen – weniger Schwankungen

Für die kommenden Jahre gehen die Vergütungs-Experten von deutlich weniger Schwankungen aus. Uder: „Eine Festvergütung schwankt – vorbehaltlich einer Anpassung – grundsätzlich nicht. Variable Vergütungs­elemente werden zudem noch stärker auf den langfristigen Unternehmenserfolg abgestellt. In der Regel wird dieser an Kennzahlen aus mehreren Jahren (zum Beispiel Ergebnis pro Aktie) gemessen, sodass sich Aus­schlä­ge durch Gewinn oder Verlust über mehrere Jahre verteilen und glätten.“ 13 Prozent der DAX-Unternehmen gewähren ihren Aufsichtsräten noch eine kurzfristige variable Vergütung. „Wir gehen davon aus, dass diese Unternehmen ihre Vergütungssysteme künftig umstellen, um den DCGK-Anforderungen zu entsprechen“, so Uder.

Frauenquote knapp verfehlt

Der Anteil an Frauen in Aufsichtsratspositionen ist im DAX insgesamt auf 29 Prozent gestiegen. „Für eine erfolgreiche Kontrolle und Strategieberatung des Vorstands sollte die Zusammensetzung des Aufsichtsrats auch eine entsprechende Vielfalt widerspiegeln – betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, so befinden sich die Unternehmen insgesamt auf einem guten Weg“, so Lange. 13 Unternehmen haben die seit diesem Jahr gültige 30-Prozent-Quote noch nicht erreicht. „Angesichts der üblichen Vertragslaufzeiten der Aufsichtsräte und der anstehenden Neubesetzungen ist zu erwarten, dass in drei Jahren nahezu alle DAX-Unternehmen die gesetzlich geforderte Quote erfüllen können“, erläutert Lange.

Mittlere Vergütung im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich verdienen die DAX-Chefaufseher weiterhin deutlich weniger als ihre Kollegen in der Schweiz (SLI: 2.053.000 Euro) und Großbritannien (FTSE 100: 624.000 Euro). „In Ländern wie der Schweiz oder Großbritannien ist der Aufsichtsrat allerdings auch intensiver in die Unternehmensführung eingebunden, was das höhere Vergütungsniveau teilweise erklärt“, so Uder. „Denn in einem dualen System aus Aufsichtsrat und Vorstand mit getrennten Verantwortlichkeiten und Mitgliedschaften, wie in Deutschland, erwachsen andere Anforderungen als in einem Single-Board-System wie in der Schweiz mit Kontrolleuren und operativ tätigen Managern in einem Gremium.“ Im Schnitt kleinere Unternehmen und damit eine geringere Aufsichts­rats­vergütung finden sich hingegen in den Niederlanden (durchschnittlich 209.000 Euro in AEX-Unternehmen) und Belgien (182.000 Euro in BEL20-Unternehmen).

Über die Studie

Die Willis Towers Watson-Studie „Aufsichtsratsvergütung DAX 2016“ analysiert die aktuellen Vergütungen von Aufsichtsratsvorsitzenden in DAX-Unternehmen. Die Untersuchung wurde zum 15. Mal in Folge durchgeführt und bietet die aktuellste Vergütungsprognose für das laufende Kalenderjahr. Grundlage der Auswertungen sind öffentlich verfügbare Quellen, insbesondere Satzungen und Hauptversammlungsbeschlüsse aus dem Jahr 2016, die Geschäftsberichte für 2015 sowie Analystenberichte (Stand: Ende September 2016). In die Analyse einbezogen wurden: die jährlich garantierten festen Bezüge, die Aufsichtsratstantieme für 2016 (basierend auf Analystenschätzungen für 2016), die Langfristvergütungen für 2016 sowie Sitzungsgelder und Ausschuss­vergütungen. Die Berechnungen wurden vor der Veröffentlichung den Investor-Relations-Abteilungen der DAX-Unternehmen vorgelegt. Die Ergebnisse der Prognose sind erfahrungsgemäß sehr verlässlich: Im Vorjahr wich die Prognose von der tatsächlichen Vergütung gemäß Geschäftsbericht lediglich um 0,7 Prozent ab.


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